Oben zu sehen sind Mutterkörner, von einer Getreideähre “gepflückt”. Es handelt sich dabei jedoch keinesfalls um Getreidekörner sondern Pilzgewebe (Mycel), welches aus der kornproduzierenden Drüse wächst und kornähnliche Form annimmt. Es fällt mit den “echten” Körnern zu Boden (bzw. wird mitgeerntet) und bildet bei ausreichender Feuchtigkeit und Temperatur Fruchtkörper, die Sporen ausstreuen, welche wiederum neue Getreideähren infizieren. Mutterkorn enthält unter anderem Lysergsäure, ein Alkaloid, aus dem erstmalig LSD-25 synthetisiert wurde. Da LSD selbst nicht natürlich vorkommt, seine Ausgangssubstanz aber schon, wird es als “halbsynthetisch” bezeichnet.
Mutterkorn enthält viele weitere Substanzen, mit z.T. psychoaktiver, medizinaler oder toxischer Wirkung. Das Ergotamin ist die gefürchtetste und sorgte im Mittelalter für epidemische Lebensmittelvergiftungen (ganze Dörfer erkrankten am “Antoniusfeuer” – bei dem ganze Gliedmaßen absterben können – als sie mit verunreinigtem Getreide gebackenes Brot gegessen hatten). Erst nachdem das Mutterkorn als Quelle der Epidemien ausfindig gemacht wurde, konnten geeignete Verfahren entwickelt werden, um es aus dem Getreide zu sortieren. [Hinweis: Da sich giftige und psychedelische Inhaltsstoffe des Mutterkorns nicht einfach voneinander trennen lassen, ist von einem Experimentieren damit dringend abzuraten.]
Da viele Mutterkornalkaloide Wehen auslösen, wurde Mutterkorn in der Volksmedizin als Abtreibungsmittel verwendet (daher auch der Name Mutterkorn). Auch die Pharmaindustrie begann sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für die unterschiedlichen medizinischen Wirkungen der einzelnen enthaltenen Substanzen genauer zu interessieren. Der Chemiker Albert Hofmann erforschte sie beispielsweise für die Firma Sandoz in Basel und modifizierte sie leicht, um Unterschiede in deren Wirkungen auf den Organismus festzustellen. Das 25. Derivat einer Versuchsreihe wurde “LSD-25″ gekennzeichnet und sollte 20 Jahre später in der Hippie-Bewegung zu einer der beliebtesten psychedelischen Drogen werden.
Herkömmliches LSD kann heute auch vollsynthetisch hergestellt werden, was aber sehr aufwendig und somit teuer ist. Denkbar ist daher auch die Gewinnung von Lysergsäure aus Mutterkornpilzkulturen und deren Weiterverwandlung zu Lysergsäurediethylamid (LSD).
Steve Jobs, der Apple-Mitbegünder und “Erfinder” des iPhones bezeichnete die Einnahme und Wirkung von LSD übrigens als eine der wichtigsten Erfahrungen seines Lebens.
(Hinweis: Die Einnahme von LSD ist mit gesundheitlichen und psychischen Risiken verbunden. LSD ist im Betäubungsmittelgesetz aufgelistet, somit sind Besitz, Herstellung, Weitergabe und Handel strafbar.)


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